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Erfolgreiche Integration beim MZG

Shahla Ahmadjoykapurchali hat ihre Berufung gefunden - Jobcenter vermittelt Iranerin erfolgreich an das MZG Bad Lippspringe

Bild: Shahla Ahmadjoykapurchali (2. v. l.) wurde vom Jobcenter Kreis Paderborn maßgeblich gefördert. Darüber, dass sie jetzt in Bad Lippspringe einer ihrer Qualifikation entsprechenden Tätigkeit nachgehen kann, freuen sich (v. l.) Alberto Oliveira, Simon Hoppe und Ulrich Milchers (Abteilungsleiter Personal und Recht im MZG).
Foto: Heiko Appelbaum

 

Ein bodenständiger Lebenslauf: Schulabschluss, Studium, reichlich Berufserfahrung im pflegerischen Bereich: Aus Sicht eines Arbeitgebers ist das eine Bilderbuchkarriere. Einzig die Tatsache, dass dieses Leben nicht in Deutschland, sondern im Iran stattfand, ist ein Hemmschuh für einen Platz auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Wie es dazu kam, dass Shahla Ahmadjoykapurchali nach nur drei Jahren in Paderborn seit Januar in einem festen Arbeitsverhältnis beim Medizinischen Zentrum für Gesundheit (MZG) in Bad Lippspringe steht, ist eine Erfolgsgeschichte für das Thema Integration.

Shahla Ahmadjoykapurchali wurde im Iran geboren. Nach einem Pflegestudium arbeitete sie über 20 Jahre in verschiedenen Fachabteilungen im Krankenhaus in Teheran, der Hauptstadt des Iran. Mit dem festen Wunsch, wieder als Krankenschwester zu arbeiten, kam Shahla im Jahr 2015 nach Paderborn. Doch im Ausland erworbene Qualifikationen können natürlich nicht immer sofort anerkannt werden. Besonders in so sensiblen Berufen wie im Pflegesektor, wo ein Fehler schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation führen kann.

Seit ihrer Ankunft in Paderborn wurde Shahla durch das Jobcenter Kreis Paderborn betreut. Im Fokus standen zuerst der Erwerb von Sprachkenntnissen und parallel dazu die Beantragung der Anerkennung ihrer Berufsausbildung. Um in Deutschland als Gesundheits- und Krankenpflegerin zu arbeiten, müsse Shahla noch weitere Sprach- und Fachkenntnisse erwerben, das ergab die Anerkennungsberatung.

Simon Hoppe vom Jobcenter Kreis Paderborn hat als Arbeitsvermittler die Gesamtsituation von Arbeitsmarkt und individuelle Rahmenbedingungen der Kunden im Blick. Er betont, dass beim Integrationsprozess von Shahla im Vordergrund stand, dass sie in Deutschland idealerweise wieder als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeiten sollte. „Eine Anstellung als Hilfskraft wäre vielleicht schneller zu realisieren gewesen“, bilanziert Hoppe. „Unser Fokus liegt aber darauf, dass unsere Kundinnen und Kunden durch eine Höherqualifizierung langfristig finanziell unabhängig vom Staat sind. Auch wenn die Integration in Arbeit dadurch etwas länger dauert.“

Gemeinsam mit Simon Hoppe wurde ein Weg gefunden, die Fach- und Sprachkenntnisse so weit aufzubessern, dass Shahla im vergangenen Jahr kurzfristig einen sechsmonatigen Anpassungslehrgang bei einer Pflegeschule in Essen besuchen konnte. Zu Beginn der Weiterbildung pendelte sie täglich zwischen Paderborn und Essen, da sie so schnell keine Unterkunft vor Ort finden konnte. Nach einem Monat ergab sich dann die Möglichkeit, ein Zimmer in Duisburg anzumieten. Die Kosten für die Unterkunft und monatliche Heimfahrten nach Paderborn übernahm das Jobcenter, die Pendelfahrten vor Ort finanzierte Shahla jedoch selber.

Durch ihr hohes Engagement und den unbedingten Willen, wieder ihrem erlernten Beruf nachzugehen, gelang Shahla der erfolgreiche Abschluss und die Berechtigung, in Deutschland als anerkannte Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeiten zu können. Mit diesem Pfund in der Tasche begann der Bewerbungsprozess, der erneut von Simon Hoppe intensiv begleitet und unterstützt wurde. Shahla nahm an einem Bewerbungstraining teil und besuchte ein Job-Speed-Dating. In zwei Kliniken stellte sie sich vor und arbeitete anschließend kurz zur Probe. Dies so erfolgreich, dass sie gleich von beiden Arbeitgebern das Angebot bekam, bei ihnen anzufangen.

Shahla entschied sich für das MZG. Im Klinikverbund arbeitet sie seit Januar als Gesundheits- und Krankenpflegerin beim ambulanten Intensiv-Pflegedienst „Mehr Zeit Gemeinsam“, welcher Menschen, die eine 24-stündige intensivpflegerische Überwachung benötigen, in einer Wohngemeinschaft betreut. Hier fühlte sie sich auf Anhieb wohl und konnte direkt ihr ganzes Wissen aus der Heimat anwenden. Die Handgriffe saßen auch nach drei Jahren Berufsabstinenz noch und Pflegedienstleiter Alberto Oliveira war schnell überzeugt von Shahlas Fachkenntnissen. Auch persönlich kam sie bei ihm und dem Kollegium gut an. „Die kann anpacken“ und „der müssen wir kaum noch was beibringen“ waren die spontanen Bemerkungen der Mitarbeitenden des ambulanten Intensiv-Pflegedienstes.

Oliveira weist auf den akuten Fachkräftemangel im pflegerischen Bereich hin und berichtet, dass eine zweite ambulante Intensivpflege-Wohngruppe geplant ist, dazu noch zusätzliches Pflegepersonal benötigt wird und herzlich willkommen ist. Herausforderungen wie Sprachbarrieren oder fehlende Berufsanerkennungen nimmt er gerne an, um neue Fachkräfte zu finden. „Wir haben mittlerweile schon einige Erfahrungen gemacht und freuen uns, wenn wir auch Bewerbungen aus dem Ausland bekommen.“ Außerdem möchte er in Zukunft weiter gemeinsam mit dem Jobcenter nach Möglichkeiten suchen, dem Fachkräftemangel zu begegnen und zum Beispiel geflüchteten Menschen eine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Shahla wiederum ist bereits angekommen: „Ich wollte unbedingt wieder in meinem Beruf arbeiten und ich habe es endlich geschafft“, freut sie sich. Für die Zukunft steht noch eine berufliche Qualifikation für außerklinische Beatmung am MZG an und persönlich möchte Shahla gerne den Führerschein machen. Alberto Oliveira und Simon Hoppe sind sich einig, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis Shahla auch dieses Ziel erreicht haben wird.

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